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Interview Nina Katschnig

Nina Katschnig (Photo: L. Schedl)

Wir haben schon jahrelang eine Zusammenarbeit und uns interessiert wie Du in der jetzigen Zeit durch die Krise kommst und wie die Vorhaben für die nächste Zeit sind?

Also ich sehe das alles nicht nur als Krise, sondern als große Chance, ich glaube es ist once in a lifetime experience, die wir alle machen, und wo man sich neu positionieren und erfinden kann Wir haben wirklich genutzt, diese Zeit des homeoffice: Die Fragen waren: was können wir verbessern vom Website-Auftritt bis Youtube-Kanal bis social media und wir sind wirklich in die Qualität gegangen.

Was können wir untereinander verbessern in der Kommunikation und es haben sich viele ganz neue Geschichten entwickelt und die neue Ausstellung, welche wir fünf Tage vor shutdown eröffnet haben, wurde von so vielen Menschen digital gesehen wie keine Ausstellung zuvor. Das ist schon eine spannende Geschichte, das ist etwas was wir mitnehmen können…

Wann macht die Galerie wieder auf?

Die Galerie ist bereits geöffnet! Wir haben seit Mai wieder geöffnet, mit etwas anderen Öffnungszeiten, Mittwoch bis Freitag, 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung, und für jene die lieber von zuhause aus, gemütlich, sich das anschauen wollen auch gerne per Skype oder WhatsApp – der persönliche Kontakt ist natürlich nicht zu ersetzen, aber man kann sich helfen… viele unserer Kunden sind Sammler und Gäste international tätig und auch lebend.

Wir hoffen, dass es bald wieder mit Kultur losgeht, man redet, dass gewisse Lockerungen wieder stattfinden werden… Die Galerie gibt es 25 Jahre, was führst Du darauf zurück, dass die Galerie international bekannt ist, in der Region und in Niederösterreich nicht so? Auf was führst Du das zurück?

Die Galerie ist spezialisiert auf Art Brut, sprich, die Kunst die von Jean Dubuffet als eine sehr ursprüngliche, rohe Kunst bezeichnet wird. Diese Kunstform ist ein natürlicher Teil der zeitgenössischen Kunst, aber diese ist international viel bekannter als im eigenen Land… oft ist es ja so, dass man sagt, Der Prophet im eigenen Land… ich muss sagen es wird besser und besser, wir freuen uns über jeden Gast und Besucher aus der unmittelbaren Nähe, weil normalerweise sind wir eher gewohnt, dass Menschen von weiter her zu uns kommen! Da wir auch auf Messen vertreten sind, da wir von vornherein schon Kooperationen mit Galerien in Amerika gehabt haben, auch in ganz Europa und auch in Japan, natürlich auch mit österreichischen Galerien und Museen, aber es ist so, dass es immer mehr auch bei uns ankommen darf, dass es uns hier auch gibt… aber ich kenne dies ja auch von mir, ich bin zum Beispiel in New York in jeder Ausstellung, aber hier schaffe ich die Hälfte nicht!

Wir wollen mit dem DonauKulturMagazin mithelfen die Galerie in der Region Niederösterreich und Wien zu platzieren und da sind wir natürlich auch gefordert… Wie schätzt Du die Bedeutung der Künstler der Galerie ein?

Die Künstler, die wir in der Galerie Gugging zeigen, sind international anerkannt und wir sind gut vernetzt, aber gerade im nahen Umfeld sind wir für jede Unterstützung dankbar.

Es ist so, dass das MoMA schon Werke unserer Künstler hat und dass sie einen eigenen Trakt voriges Jahr eröffnet haben. Wo sie immer mehr Kunst zeigen wollen, die nicht Mainstream ist und da wird Gugging sicher eine Rolle spielen.

Die Künstler leben teilweise hier im Haus, wie würdest Du einen Tagesablauf hier schildern, wie verbringen die Künstler auch mit Dir, hier im Haus die Tage?

Es funktioniert wie in einer Wohngemeinschaft, oder wie in einer Großfamilie, man steht auf, frühstückt, jeder geht seinen Aufgaben nach, dann wird Mittag gegesse. Die Künstler zeichnen oder malen, oder was immer sie künstlerisch tun am Nachmittag und dann wird zu Abend gegessen. Alles gehört hier zusammen, ohne Haus der Künstler gäbe es hier im Art Brut Center Gugging gar nichts.

Es gibt auch Künstler die extern wohnen und hierher kommen, zum Beispiel der Alfred Neumayr wohnt in Tulln und kommt her und macht hier dann seine Werke?

…und arbeitet im offenen Atelier

Er ist ja auch einer der bekannten Künstler, den ich auch persönlich sehr gut kenne… Was sind die nächsten Projekte die Ihr plant, auch vorausschauend auf 2021, gibt es schon Ideen, Programme dazu?

Wir haben uns zusammengesetzt, wir lassen alles auf uns zukommen, wir haben natürlich Ausstellungspläne, die Ausstellung weiblich mächtig – männlich zart … misleidys castillo pedroso & oswald tschirtner, die jetzt läuft, ist verlängert bis September, damit unsere Gäste sie noch sehen können, dann wird es ladies brut geben, das ist die nächste Ausstellung, diese wird am 16. September eröffnet. Tschirtner feiert heuer ja seinen hundertsten Geburtstag. Das Museum hat die große Tschirtner-Retrospektive und es gibt am 20. September ein Fest für ihn, bei dem das ganze Haus mitfeiert.

Es werden die galerie gugging special editions stattfinden, die nächste wird am 18. Oktober sein mit Lou Asril. Es gibt noch ein paar Dinge die in Planung sind, wir warten einfach mal ab… das ist auch was uns die jetztige Zeit lehrt: Flexibilität auf allen Ebenen. Weiters gibt es eine Geburtstagsausstellung – 60 Jahre Leopold Strobl, das ist jener Künstler, dessen Werke vor zwei Jahren vom MoMA in New York angekauft worden sind und wir machen hier eine große Ausstellung in der galerie gugging mit Eröffnung am 18. November.

Wie geht es Euch in der Krise wirtschaftlich? Kommt Ihr drüber – habt Ihr Unterstützung bekommen oder wie sind derzeit die Kooperationen die bestehenden oder habt ihr Sponsoren die abgesprungen sind – oder ist es so wie es vorher war oder gibt es besondere Unterstützung wie ist der Stand der Dinge?

Es gibt keine Unterstützung für uns durch Subventionen oder ähnliches aber wir schaffen das. Wir sind bester Dinge. Wir haben das Glück, dass unsere Kooperationspartner so wie auch MVM also Du auch einer bist, wirklich halten, dass die unterstützend sind, das ist großartig. Es haben sich neue Dinge aufgetan, wie Menschen die über facebook auf uns zugekommen sind, und uns auch unterstützen und das finde ich einfach wunderbar. Gut, dass man sich jetzt auf das Zusammenhalten konzentriert und wie man sie unterstützen und fördern kann. Das finde ich sehr positiv. Wir haben einen Wirtschaftspartner, die Helvetia-Versicherung, der auch zu dem steht was ausgemacht wurde. Wir sind sehr dankbar!

Das ist schön – wir sind ja auch seit einigen Jahren für unsere Projekte mit Licht ins Dunkel verbunden, wir hoffen, dass wir auch heuer wieder alles durchziehen können – wie siehst Du die Situation, seid Ihr bei Licht ins Dunkel wieder dabei – wie gehabt oder willst Du noch abwarten?

Nein nein, wir sind dabei…

Wir hoffen natürlich, dass die Veranstaltungen was Licht ins Dunkel betrifft stattfinden kann – es ist noch eine lange Zeit bis Dezember aber wir sind natürlich mit vielem auch in Vorbereitung und ich danke Dir für Deine Unterstützung! Abschließend, was sind Deine Wünsche an die Kulturinteressierten in der Region? Was wäre Deine Abschlussbotschaft… wie würdest Du einladen in die Galerie zu kommen – ihr habt ja auch ein Bistro…

Ab Juli ist ja auch das Museum und das Bistro wiedereröffnet, da ist dann das ganze Haus wieder bespielt… und was wir jetzt gemerkt haben in dieser Zeit, welche wunderbare Umgebung wir haben – weil wir waren ja alle mehr oder weniger jetzt an einem Ort, das Motto ist… das Gute liegt so nah…

Also kommt zu uns, und schaut Euch das an… es ist wirklich wunderschön bei uns… da ist der Wienerwald zum spazierengehen und wandern, es ist die Kultur in der Galerie und im Museum da, es gibt das Bistro – das ist ein wunderschönes Paket für einen gelungenen Tag!

Auch an die Bewohner der Region – kommen Sie, genießen Sie die Synergie Kultur, Tourismus… Wanderungen im Wienerwald… Danke Nina für das Gespräch!